Der Morgen kam – wie immer – pünktlich, enthusiastisch und völlig unbeirrt von der kollektiven Lagererschöpfung. Nur leider hatte sich diese Begeisterung noch nicht bis in die Zelte herumgesprochen. Statt Vogelgezwitscher und Tatendrang: menschliches Grollen, raschelnde Isomatten und der verzweifelte Versuch, in einem Schlafsack eine bequeme Schlummerposition zu finden.
Der Frühstücksbeginn verlief entsprechend dynamisch – also gar nicht. Teilis schlichen wie gespenstische Gestalten mit Kissenabdrücken im Gesicht und verschollenen Haarstrukturen an die Tische. Manche hatten ihren Schlafsack offenbar direkt als Poncho umfunktioniert. Kommunikation war sparsam – ein stummes Kopfnicken galt bereits als euphorische Begrüßung.
Doch dann passierte es: Das Frühstücksei. Gekochte Perfektion. Goldgelb, duftend – ein Signal an den Lagerstoffwechsel: “Erwache!” Dazu frisch gebackenes Brot – knusprig und warm. Innerhalb von Minuten war der Tisch voll, das Schnarchen verstummt, und sogar der Langsamste fand plötzlich erstaunlich zielstrebig seinen Platz.
Nach dem feierlichen Frühstücksei taumelten die Teilis direkt in die Vormittagsunterhaltung – eine Neuauflage des Klassikers „1, 2 oder 3“. Für alle, die ihre Kindheit ohne öffentlich-rechtliche Fernsehbildung verbracht haben: Das Prinzip ist einfach. Michael Schanze (oder später Elton, je nach Generationstrauma) stellt eine Frage, und die Kinder springen wie aufgescheuchte Flummis in eines von drei Feldern. Dann ruft irgendjemand „Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht!“ – und plötzlich war Pädagogik wieder cool.
Unsere Version war… sagen wir mal: inspiriert. Statt Sachfragen zu Tierwelt, Raumfahrt oder Erdkunde hieß es hier: „Welcher Mitarbeitende hat mal sein Zelt mit Sekundenkleber geflickt?“ Die Teilis mussten die richtige Person erraten – was mit zunehmender Skurrilität der Aussagen nicht gerade leichter wurde. Richtig zugeordnet? Punkt. Falsch geraten? Dafür gab’s kollektives Gelächter und emotionale Schäden fürs Ego.
Ein pädagogisch wertvolles Spiel über Vertrauen, Halbwissen und die Erkenntnis, dass Erwachsene auch nur improvisierende Chaoswesen mit Namensschild sind.
Filet de Poisson Baltique
Zart gegarter Fisch aus imaginärer Wildfangzucht, serviert mit einem Hauch von Seebrise und einer leichten Verzweiflung darüber, dass es keinen Ketchup dazu gibt.
Pommes de Terre rustiques à la vapeur
Handverlesene schwedische Erdäpfel – gekocht auf dem Höhepunkt ihrer Textur zwischen „noch nicht ganz“ und „zerfällt beim Hinschauen“.
Velouté de Moutarde à la Maison
Senfsoße nach Art des Hauses – ein cremiger, leicht schnippischer Begleiter mit dem Charakter von Zahlis Küchengeheimnis.
Salade Croquante des Bois
Frisch gewaschene Blätter (diesmal wirklich), in mildem Dressing geschwenkt, dekoriert mit einer Portion Pflichtgefühl.
Hinweis der Küchenleitung: Spuren von nordischem Wetter, passiv-aggressiver Liebe nicht ausgeschlossen.
Bon appétit!
Der Nachmittag begann mit einer heldenhaften Geste dreier Teilis, die sich – offenbar ohne Rücksicht auf Wettermeldungen oder gesundes Urteilsvermögen – todesmutig in den See stürzten. Der Himmel: grau. Die Wetterlage: dramatisch. Kurz darauf dann auch die Durchsage: „Raus aus dem Wasser, rein in die Hütte!“ – was nicht nur wie ein Kapitel aus einem sehr skandinavischen Erziehungsratgeber klingt, sondern auch exakt das weitere Programm vorgab.
Was folgte, war klassisches Hütten-Inventar bei Schlechtwetterlage:
🎨 Basteln: Mit viel Fantasie, wenig Material und glitzernden Resten aus den 90ern.
🎲 Gesellschaftsspiele: Hauptsächlich laut, selten fair, gelegentlich regelkonform.
🍰 Kuchen: Viel Kuchen. So viel, dass kurzzeitig vermutet wurde, man wolle damit das Gewitter bestechen.
Fazit: Das Gewitter zog weiter, die Teilis blieben – und die Hütte roch ab 17 Uhr offiziell nach nasser Hund, Pappe, Regenjacke und Streuselkuchen.
So verläuft ein Nachmittag im Schwedenlager: erst Aquadrama, dann Bastelorgie mit Backwaren.
Nach dem Mittagessen dann der große Moment der leisen Taschentuch-Tragik: Hannah verlässt das Lager. Nicht, weil sie das schwedische Müsli nicht mehr erträgt (obwohl… wer weiß), sondern weil zu Hause eine Klausur wartet. Ja, richtig gelesen – echte Menschen schreiben freiwillig Prüfungen. Freiwillig!
Unsere liebe Hannah, bekannt für ihr ansteckendes Lächeln, ihren Einsatz in allen Lagen und ihre pädagogisch wertvolle Autorität, die irgendwo zwischen sanfter Religionslehrerin und gewitzter Lagergeneralin liegt, packte ihre Sachen.
Wir sagen:
Tschüss, Hannah! Danke für
– für deine gute Laune,
– deine Engelsgeduld mit den Frühstücksmuffeln,
– und deine unverkennbare Aura pädagogischer Autorität mit Augenzwinkern.
Viel Erfolg bei der Klausur – und denk dran: In Schweden hast du bereits einen Leistungskurs in Gelassenheit unter Regen und Gruppendynamik mit Müsli-Überdosis bestanden.
Mach’s gut – Fetti hat sich übrigens auf deinen Platz gelegt. Offenbar hat er deinen Sinn für Ordnung zu schätzen gelernt.
Einmal im Jahr verwandelt sich unsere sonst so beschauliche Hütte in eine Mischung aus Las Vegas, Spielhölle und mathematischem Risikoseminar. Die Währung? Chips. Die Einsätze? Hoch. Die Emotionen? Noch höher. Und irgendwo im Hintergrund: HalliGalli-Geklingel, hysterisches Lachen und mindestens ein verzweifelter Schrei, weil jemand alles auf die rote Zwei gesetzt hat… und verloren hat.
Das Angebot?
🃏 Black Jack mit Hüttenduft
🎲 Roulette auf wackligem Biertischniveau
💥 HalliGalli – für die Risikofreudigen mit schnellen Reflexen und dünnem Nervenkostüm
🕳️ Maulwurf – das Spiel, das niemand verstand, aber trotzdem alle spielten
🪙 Münzwurf – simpel, ehrlich, eiskalt
🏊 Schwimmen – das Kartenspiel, nicht die Aktivität. (Obwohl einige Teilis trotzdem in Badesachen auftauchten.)
Und dann war da noch der verrückte Tisch 7, an dem man nur teilnehmen durfte, wenn man ein Küchenhandtuch auf dem Kopf trug und ausschließlich in Reimen sprach. Niemand weiß, wer das eingeführt hat. Es fühlte sich aber irgendwie richtig an.
Am Ende: Keine Tränen, keine Pfändungen, nur müde Sieger*innen, leere Chipgläser und die Erkenntnis: Im Lager gewinnt man nicht Chips – man gewinnt Geschichten, die man in zehn Jahren noch mit glänzenden Augen und leicht übertrieben erzählt.
Der Tag begann, wie so oft, mit menschlichem Chaos in Zeitlupe. Die Teilis krochen aus ihren Zelten wie schlaftrunkene Faultiere auf Diät. Ich lag wie immer auf Beobachtungsposten, bereit, jedes herunterfallende Brötchen heldenhaft zu sichern. Es fiel leider nichts.
Vormittags dann: „1, 2 oder 3“, die Lageredition. Menschen ordneten absurde Aussagen Mitarbeitenden zu , hüpften durch die Gegend und lachten in der Lautstärke einer Flughafendurchsage. Ich saß daneben und fragte mich, wieso so viel Energie für etwas aufgewendet wird, das keinerlei Futterbezug hat.
Zum Mittag: Fisch mit Senfsoße – ein himmlischer Duft. Ich schnüffelte mich bis unter die Tische vor. Nichts. Nur wieder dieser Satz: „Nein, Fetti, das ist nichts für dich.“ Ehrlich? Ich würde es trotzdem riskieren.
Der Nachmittag brachte drei mutige Teilis in den See. Menschen sind da ja erstaunlich optimistisch. Als es krachte, rannten alle wieder rein. Ich hingegen hatte schon vorher einen gemütlichen Platz in der Hütte gewählt. Instinkt nennt man das.
Dafür gab’s Kuchen. Viel Kuchen. Nicht für mich, natürlich. Ich schnappte mir beinahe ein Schokostück vom Tisch – bis mir jemand mit „Schoki ist nichts für Hunde!“ kam. Als ob ich das nicht wüsste. Ich wollte es ja nur sichern.
Und dann: Casinoabend. Menschen werfen Spielchips herum, schieben Karten, schreien bei Münzwürfen. Einer hat versucht, seinen letzten Jeton gegen einen Gummibären zu verpfänden. Ich hingegen wäre schon mit einer trockenen Brotkruste zufrieden gewesen. Aber auch hier: Kein Jackpot für Fetti.
Wieder ein Tag voller Wunder – und ich frage mich: Wer hat eigentlich diesen Plan gemacht? Fragen über Fragen, keine Antworten – nur mein Napf bleibt leer.
Wuff und weg Euer Fetti 🐾 ( übersehener Gourmet, unbezahlter Beobachter und selbsternannter Casino-Sicherheitsbeauftragter.)