Der Tag begann sonnig, still und verdächtig geordnet – was im Lageralltag meistens bedeutet, dass irgendwo gleich Chaos ausbricht. Langsam krochen die Teilis aus ihren Zelten wie Faultiere auf Frühschicht: verstrubbelte Haare, ein Schuh, kein Plan.
Zum Frühstück gab’s das inzwischen kultisch verehrte Schwedische Superkörner-Müsli™. Laut inoffizieller Küchenstatistik hat eine Portion rund 7.000 Kalorien. Die genaue Zahl ist natürlich streng geheim, genau wie die eine mysteriöse Zutat, die niemand identifizieren kann.
Aber hey – Energie war gefragt. Denn auf dem Tagesplan stand das große Volleyballturnier, auch bekannt als die freundschaftsgefährdende Ballwurf-Festspiele von Småland.
Pünktlich um 11:30 Uhr flog der erste Ball über das improvisierte Sand-Matsch-Feld – begleitet vom kollektiven Kampfgeist aller Gruppen. Die Motivation lag bei stabilen 100 Prozent, die Körperspannung… irgendwo zwischen gekochter Spaghetti und „Ich hab gestern noch Disco getanzt“.
Und dann: Drama in drei Akten.
Akt 1: Ein dunkler Himmel.
Akt 2: Ein Windstoß, der nach Ärger roch.
Akt 3: Regen. Viel Regen. Also nicht „Och, ein paar Tropfen“, sondern mehr so: „Herzlichen Glückwunsch, euer Turnier findet jetzt in der Ostsee statt.“
Turnierpause. Schuhe füllten sich mit einer Mischung aus Wasser, Sand und schwedischem Optimismus. Die Stimmung war leicht feucht, aber immerhin noch legal.
Die Teilis hielten sich wacker – immerhin sind sie im Schwedenlager, nicht im Wüstenbootcamp. Und wer bei 14 Grad und Nieselregen noch baggert, hat das wahre Lagerfeuer im Herzen. Oder einfach den Gruppenzwang nicht durchschaut.
Das schwedische Wetter bleibt also wie immer: emotional instabil, aber konsequent überraschend. Wir sagen nur: Matsch statt Match.
„Un festin rustique sous les nuages nordiques.“
🥘 Frikassée de Poulet à la Suède Zarte éclats de volaille (mit etwas Glück sogar Brust) geschmort in einer sahnig-cremigen velouté blanche, deren Ursprung in einer Mischung aus Küchenzauber und Konserven liegt. Mit légumes oubliés (verlorene Karotten, scheue Champignons und vereinzelt ein Erbslein), liebevoll aus der Tiefkühltrance geweckt.
Serviert auf einem fluffigen lit de riz, der sich dank optimaler Quellzeit irgendwo zwischen „al dente“ und teenagergerecht einpendelt.
🥦 Option végétarienne disponible sur demande – Gleiche Soße, gleicher Reis, nur das Huhn sagt: „Non, merci.“
👨🍳 Brigade de Cuisine: Chef Zahli, Sous-Cheffe Lisa, Maitresse de Sauce Katti Mit viel Amour, etwas Improvisation und einem kleinen Schwur auf die Gelinggarantie.
💬 Empfohlen von: 3 Michelin-Gummistiefeln und einer zufriedenen Mehrheit der hungrigen Gäste.
🍷 Getränkebegleitung: Frisches Tafelwasser, direkt aus dem Brunnen. Jahrgang: Heute früh.
Bon Appétit – oder wie wir sagen: Frikass’Yeah!
Der Nachmittag stand ganz im Zeichen von Glitzer, Gesang und latentem Realitätsverlust: Die legendäre Abendshow „Svenska sucht den Superstar“ warf ihre schillernd-besorgniserregenden Schatten voraus.
Die Regeln klangen denkbar einfach – was im Lagerkontext immer ein schlechtes Zeichen ist:
✔️ Dichte einen Songtext mit sechs vorgegebenen Wörtern (darunter Klassiker wie „Wackelpudding“, „Waschbärbande“ und „Knäckebrotkrümel“),
✔️ singe das Ganze auf eine bekannte Melodie deiner Wahl (von Let it Go bis Anton aus Tirol – wir hatten alles),
✔️ und bring eine Performance auf die Bühne, die selbst ABBA dazu bringen würde, ihre Glitzerstiefel ein für alle Mal zu verbrennen.
Das Ergebnis: In der Hütte wurde choreografiert, als hinge der Weltfrieden davon ab. Reime wurden geschmiedet, meist unter Schmerzen. Einige Gruppen entwickelten Ausdruckstänze mit Regenjacken, andere inszenierten epische Dramen über Marmeladenbrot und verlorene Flipflops.
Zwischendurch war aus mehreren Zelten verzweifeltes Summen, hysterisches Lachen und gelegentlich ein resigniertes „Wir machen halt was mit Handpuppen“ zu hören.
Fetti hielt sich dezent raus. Talentfrei, aber geschmackssicher.
Der Abend stand ganz im Zeichen der Lager-Show Svenska sucht den Superstar. Was auf dem Papier wie ein harmloses Abendprogramm klingt, entpuppte sich in der Praxis als bunte Mischung aus Castingwahnsinn, spontaner Reimkunst und tänzerischer Risikobereitschaft.
Den Auftakt machten drei mysteriöse Gestalten in schwarzen Anzügen, Sonnenbrillen und erstaunlich voluminösen Perücken – als hätten sich die Women in Black nach einem Zwischenstopp bei H&M in Växjö verlaufen. Erst bei näherem Hinsehen erkannte man die Tarnung: Lisa, Claudia und Katti. Die Moderatorinnen des Abends, undercover, führten mit dramatischer Miene durch das Programm.
Die Gruppen performten dann mit dem gesamten Arsenal menschlicher Emotionen: Es wurde gesungen, geschmettert, gereimt, gebrüllt, geflüstert – kurz: Alles, was mit sechs vorgegebenen Wörtern und einer bekannten Melodie irgendwie möglich war, wurde möglich gemacht. Einige Beiträge ließen ABBA rotieren – entweder vor Stolz oder aus Selbstschutz.
Das Publikum tobte, die Jury notierte tapfer, was notierbar war, und Zahli stand in der Ecke mit seiner typischen Mischung aus Sorge, leiser Verzweiflung und tiefer Verbundenheit zum knarzenden Dielenboden der Hütte. Jeder Sprung, jeder Ausfallschritt ließ seine innerliche Statik-Berechnung neu starten.
Am Ende setzte sich Gruppe 5 durch. Ob es an der Show, dem Reim oder den blinkenden Hüftaccessoires lag, weiß niemand. Der Preis: eine Shoppingtour nach Växjö – für manche der musikalisch angemessene Karrierehöhepunkt, für andere einfach ein Tag im schwedischen Einkaufszentrum.
Fazit:
Show overlebt.
Hütte steht noch.
Jury erholt sich.
Und Zahli?
Er tastet morgen früh erstmal prüfend die Balken ab.
Es begann, wie so viele dieser Tage: mit einem überambitionierten Sonnenaufgang und dem üblichen Menschengemurmel aus Zelten – irgendwo zwischen verschlafener Existenzkrise und kollektivem Gummistiefelgeraschel. Ich lag da, wie immer, in Lauerstellung vor der Hütte. Hoffnungsvoll. Wachsam. Bereit. Und dann kam es: Schwedenmüsli. Dritte Runde. Eine zähe Mischung aus Sahne, Joghurt, Früchten und Superkörnern, die vermutlich mehr Kalorien enthält als ein ausgewachsener Elch. Die Teilis feiern es wie eine göttliche Eingebung, schaufeln es mit einer Hingabe, die mich an Rudelverhalten bei Futterneid erinnert. Ich hingegen – stand wie immer daneben. Blick treu. Napf leer. Keiner denkt an den Hund.
Dann das große Volleyballturnier. Menschen, die Bällen hinterherrennen – völlig freiwillig. Ich beobachtete das Ganze aus sicherem Abstand und fragte mich einmal mehr: Wieso tut ihr das? Ihr schreit, schwitzt, werft euch in den Sand… und dann kommt der Regen. Der berühmte schwedische Sommer, immer bereit für eine dramaturgische Kehrtwende. Plötzlich alle nass, Turnier unterbrochen – und niemand hat was draus gelernt. Am nächsten Tag wird wieder der Ball gejagt. Man nennt das wohl „Teamgeist“. Ich nenne es Kontrollverlust im Rudel.
Das Mittagessen roch verheißungsvoll – Hühnerfrikassee, wie man es wohl in der französischen Bistroküche als Frikassé de volaille à la suédoise bezeichnen würde. Ich stellte mich wieder an – höflich, leise, strategisch günstig platziert. Und wurde zum elften Mal ignoriert. Entweder bin ich für die Küchencrew unsichtbar oder ich bin offiziell auf der Diätliste. Wahrscheinlicher ist: Niemand will sich eingestehen, dass ich mehr Tischmanieren habe als die Hälfte der Teilis.
Am Nachmittag wurde gebastelt, gesungen, geprobt. Große Show am Abend: „Svenska sucht den Superstar“. Menschen, die sich verkleiden, singen und auf Tischen tanzen – alles völlig nüchtern, versteht sich. Drei verkleidete Moderatoren (Lisa, Katti, Claudia – kaum zu erkennen hinter Sonnenbrille und Perrücke) führten durch den Abend, als hinge der Weltfrieden von dieser Talentshow ab. Die Hütte vibrierte, Zahli zählte heimlich Balken im Boden. Ich zog mich frühzeitig zurück – mein Humor ist trocken, aber mein Gehör ist empfindlich.
Wuff und Weg - Euer Fetti 🐾 (der vergessene Feinschmecker, der Letzte seiner Napfreihe)