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Boje-Schwedenfreizeit 2013 bis 2025

vom 13. Juli bis 30. Juli 2025

Lenhovda, Småland, Schweden

Tag 6 im Schwedencamp

Gegen 8:30 Uhr regte sich wieder Leben im Lager. Die Schlaflosen von gestern – pardon, die „Outdoor-Abenteurer“ – kehrten langsam, aber sichtbar gezeichnet, von ihren Nachtlagern zurück: aus Tipis, Grillhütten, vom Waldboden oder dem Kanu – also kurz gesagt, von Orten, an denen man sonst eher keine Nacht verbringen würde, wenn es eine Matratze zur Alternative gäbe.

Beim Frühstück dann großes Storytelling: Vom Mückengemetzel an der Peter-Braas-Stelle über philosophische Gespräche am Lagerfeuer in der Grillhütte bis hin zur Frage, ob ein Kanu wirklich als Schlafplatz taugt – alles wurde geteilt. Dazu Müsli, drei verschiende Brotsorten, und der Versuch, wieder Gefühl in die Gliedmaßen zu bekommen.

Einige wirkten nach der Nacht draußen erstaunlich wach. Andere… waren immerhin anwesend.

Super-GAU beim Toilettendienst – Bananenschale bringt System ins Wanken

Es war nur eine Bananenschale. Und doch war es mehr. Viel mehr. Ein Symbol des zivilisatorischen Verfalls. Ein stiller Schrei nach Aufmerksamkeit. Entdeckt wurde das Corpus Delicti stilecht in der Jungs-Toilette – drapiert im empfindlichem Bereich der Regenrinne, als hätte jemand Mario Kart zu wörtlich genommen.

Die Reaktion des Teams: Schock. Fassungslosigkeit. Eine kurze Schweigeminute. Danach eine Krisensitzung – und ein einstimmiger Beschluss: Toilettendienst ab sofort: Männersache.

Denn wer die Banane wirft, muss auch wischen.

🎣 Petri Dank bei 30 Grad – Sonnenbaden, Seeplansch und jede Menge Angel-Latein

Der Vormittag meinte es gut mit uns: Sonne satt, kein Regen in Sicht, und die Mücken hatten offenbar auch frei. Perfekte Bedingungen also, um den Lageralltag auf das Wesentliche zu reduzieren: Liegen, Lauschen, Lake-Life.

Während sich die meisten Teilis dekorativ auf dem Steg räkelten oder in Gruppen das Wasser unsicher machten, wurde es am Bootssteg plötzlich ernst: Ein paar ambitionierte Freizeitfischer charteten das Lagerboot, bewaffnet mit Angelruten, Rettungswesten, Sonnencreme und einem gefährlich halbvollen Gummiwurm-Vorrat.

Ziel: Esox lucius, der gefürchtete Hecht – auch „Krokodil des Nordens“ genannt (zumindest von einem der Teilis, der neulich eine Doku gesehen hat).

Taktik: Zielsicher wurden die geheimen Hotspots im See angesteuert – also die zwei Stellen, an denen letztes Jahr „angeblich“ was gebissen hat.

Köder: Klassiker wie der Twister in Neon-Orange („geht immer, Bruder“), mehrere Doppelwhooper mit linksdrehendem Twist, ein 12 cm Gummifisch namens „Hechtkiller 3000“.

Erfolg: Sagen wir so – es wurde viel gefachsimpelt, noch mehr geschnackt und mehrere Äste erfolgreich aus dem Wasser gezogen.

Fazit: Der See war herrlich, das Wasser erfrischend – und der Hecht hat, wie so oft, einfach wieder keine Lust gehabt.

🍽️ Le Déjeuner du Jour – Spezialité du Camp Schweden 🍽️

“La Saucisse au Curry – à la Ruhrgebiet” Serviert im zarten Zusammenspiel mit pain rustique (auf gut Deutsch: ne ordentliche Kante Brot, frisch vom Bäcker Claudia höchstpersönlich).

Die Saucisse, eine Komposition aus liebevoll geformtem Pressfleisch (handveredelt in der Tiefkühltruhe) badet in einer Sauce de Tomate-Curry flamboyante – fein abgeschmeckt mit Gewürzen, die sogar die Zunge von Louis XIV hätten tanzen lassen (wenn er je ‘ne Currywurst gegessen hätte).

Degustation: Knusprig, würzig, mit einem Hauch von „Ey, sach ma, dat schmeckt wie inne Pommesbude umme Ecke – nur geiler.“

Bon Appétit und Glück auf!

Nachmittagsprogramm

🚶‍♀️ 6 Kilometer für Zimtschnecken – oder: Die kulinarische Karawane von Lenhovda

Am Nachmittag verließ eine kleine, aber entschlossene Expedition das Lager – zu Fuß, in der prallen Sonne, ohne Kutsche, Kamel oder E-Scooter. Sechs Kilometer bis zum nächsten Supermarkt. Warum? Weil der Mensch eben manchmal raus muss. Und weil im Lager zwar Brot und Currywurst fließen, aber keine kanelbullar.

Die Route: staubig, heiß, voller Mücken und fragwürdiger Motivation. Die Mission: Snacks, Süßkram und der heilige Gral schwedischer Backkunst – Zimtschnecken. Der Lohn: Lördagsgodis in allen Farben des Regenbogens, knusprige Kuriositäten aus Regal 7B und das wohlige Gefühl, sich den Zucker hart erwandert zu haben.

Fazit: Wer bei 30 Grad zwölf Kilometer für Gebäck läuft, braucht keine Sporteinheit mehr. Nur noch Wasser. Und einen Stuhl.

⚔️ Sportlicher Ernst beim Juggern – oder: Wenn Leute mit Schaumstoffwaffen ernsthaft rennen

Während sich die Zimtschneckentruppe langsam Richtung Supermarkt schleppte, zog eine andere Gruppe mit deutlich weniger Zuckermotivation, dafür aber mit umso mehr Tatendrang los: Jugger stand auf dem Plan.

Was ist Jugger? Ein Sport, bei dem zwei Teams mit gepolsterten Prügeln – den sogenannten Pompfen (nein, das ist kein schwedischer Dialekt) – aufeinander losgehen, um einen Ball (Jugg, natürlich) in ein Ziel zu befördern. Klingt wie Völkerball mit Ritterfantasie und leichter Sportlehrer-Romantik.

Das Regelwerk – streng, sportlich, leicht bizarr:

  • Wer mit der Pompfe getroffen wird, muss fünf Sekunden lang in Würde pausieren. Wer dabei „dramatisch stirbt“, bekommt Bonusapplaus.
  • Der Jugg darf nur mit der nicht-dominanten Hand getragen werden – oder im Mund, wenn man mutig ist (aber nicht empfohlen).
  • Wer zu früh wieder aufsteht, muss eine Ehrenrunde im Entengang drehen.
  • Der Schiedsrichter trägt einen selbstgebastelten Umhang und darf jederzeit „Plot Twist!“ rufen – was zu einem spontanen Seitenwechsel führt.
  • Und ganz wichtig: Der Jugg darf niemals als Frisbee verwendet werden. (Ist aber schon vorgekommen.)

Trotz all dieser kreativen Herausforderungen wurde mit vollem Einsatz gerannt, getaggt und gebrüllt. Am Ende gingen zwar alle mit wackeligen Knien, aber hocherhobenen Pompfen vom Platz. Fazit: Der Sport ist vielleicht etwas seltsam – aber auch verdammt unterhaltsam.

Nach dem Spiel ging es für die Sportler*innen zum nahegelegenen Dorfsee zur wohlverdienten Abkühlung.

Abendprogramm

🎶 Musikmatratze – das härteste Musikquiz nördlich von Lenhovda

Am Abend wurde’s nochmal richtig wild – zumindest im Bereich der Gehörbildung und Sprungtechnik: Musikmatratze stand an. Ein traditionsreiches Spiel, bei dem Popkultur auf Turnhallenboden trifft – oder besser gesagt: auf eine viel zu kleine Matratze in der Mitte eines Kreises aus übermotivierten Teilis mit schnellen Reflexen und sehr zweifelhaftem Musikwissen.

Die Regeln sind denkbar einfach:

  • 🎧 Ein Lied wird angespielt.
  • 🏃‍♂️ Wer es erkennt, sprintet los und wirft sich – in olympischer Grazie oder mit vollem Körpereinsatz – auf die Matratze.
  • 🗣️ Nennt man den Songtitel, gibt’s einen Punkt.
  • 🎤 Den Interpreten? Zwei Punkte.
  • 🐌 Den Remix aus einem TikTok-Video von 2018? Ehrenpunkte. Vielleicht.

Besondere Highlights der Playlist (danke an André Binder und die FLASH-Freizeit – wir vergeben ein imaginäres Mixtape-Ehrenabzeichen aus Plüsch!):

„Atemlos durch den Wald“ von Helene-Fischer-Im-Wanderoutfit
„Barbie Girl (Finnland Remix ft. Rentierhupen)“
„Highway to Smörgåsbord“
„Der Hahn ist tot – Trap Version“
Und natürlich: „Waka Waka“, bei dem plötzlich ALLE Text konnten. Warum auch immer.

Fazit des Tages:
Wer tagsüber noch dachte, er sei müde vom Wandern, fand spätestens beim Sound von „Mambo No. 5“ wieder neue Kräfte. Wer nicht rannte, hatte einfach Angst vor der Matratzenlandung des Vordermanns. Und wer dachte, er kennt sich mit Musik aus, hat spätestens bei „Gangnam Style“ auf „Macarena“ getippt.

Lagerleben, wie es sein soll: Mit Muskelkater in den Waden, Ohrwürmern im Kopf – und einer mysteriösen Bananenschale, die immer noch keiner zuordnen kann.

Fettis Lagerkolumne – Tag 6: Mückenstiche, Bananen-Katastrophen und das Matratzenchaos

Moin, hier spricht euer Fetti – der einzige im Lager, der noch halbwegs Überblick behält. Tag 6, und ich frage mich ernsthaft: Wer hat die Zweibeiner eigentlich auf die Idee gebracht, dass sechs Kilometer Fußmarsch bei 30 Grad und Zimtschnecken als Belohnung eine gute Idee sind? Ich würde ja lieber direkt beim Kiosk chillen und mir ’ne Wurst genehmigen, aber nein, sie wollen leiden – Respekt, oder so.

Dann die geduldigen Angler – da sitzt ihr nun, starrt auf dem Wasser, als ob da gleich eine Pizza raufschwimmt. Hechte? Die lachen sich schlapp, wenn sie eure halbherzigen Würfe sehen.

Und dann Juggern – das sogenannte „strategische Teamspiel“. Für mich sieht das eher nach einer wilden Prügelei mit weichgepolsterten Knüppeln aus. Wer braucht schon Diplomatie, wenn man einfach draufhauen kann? Wenn ich mitspielen dürfte, hätte ich zwei Regeln: Erstens: Keine Zweibeiner beißen (nur wenn’s sein muss). Zweitens: Wer am Boden liegt, bekommt ’nen Knochen – und das zügig.

Musikmatratze zum Tagesabschluss – hier rennen die Teilis also wie von der Tarantel gestochen auf eine Matratze, nur um zu beweisen, dass sie einen Song erkennen können. Ich würde ja lieber einen Knochen suchen, als mir das Knie zu verstauchen und mich lächerlich zu machen. Aber jeder Jeck ist anders.

Mein Fazit: Menschen und ihr Lagerleben – eine Mischung aus Selbstgeißelung, absurden Mutproben und komödiantischer Tollpatschigkeit. Ich beobachte weiter und hoffe auf fallengelassene Snacks. Ach ja, und nicht zu vergessen: die mysteriöse Bananenschale in der Toilette. Ich hab zwar keine Ahnung, wer das war, aber ich halte es für ein Zeichen. Irgendwas läuft hier ganz gewaltig schief.

Bis morgen, euer Fetti 🐾 Lagerhund, Sicherheitsbeauftragter und unfreiwilliger Zeuge menschlicher Absurditen