Der Morgen nach unserer Neon-Disco begann… sagen wir mal: gedämpft. Normalerweise sprinten die ersten Teilis schon vor dem Weckradio mit Zahnbürste und Schlappen bewaffnet ins Waschhaus, als ginge es um den letzten Platz im Dschungelcamp. Heute? Gähnende Leere. Das Waschhaus hätte eine Staubschicht ansetzen können, wenn nicht wenigstens ich (Fetti, der Wachhund) dort gelegentlich reingegähnt hätte.
Doch dann, wie durch ein Wunder – Frühstückstrommeln. Und siehe da: Der Schlaf wurde abgeschüttelt, die Tanzknochen neu sortiert, und plötzlich standen sie da – alle, mit messerscharfem Blick auf das Müsli-Buffet. Man munkelt, manche seien im Schlafanzug erschienen. Man munkelt auch, dass niemand etwas dagegen hatte.
Zum Glück meinte es das Wetter gut mit uns: 27 Grad, Sonnenschein und schwedische Postkartenstimmung. Die Devise war klar: „Wenig Bewegung, viel Wasser.“ Der Steg wurde zur Sonnenliege umfunktioniert, das Wasser zum kollektiven Eintauch-Erlebnis. Regel: alle 20 Minuten rein, ob man will oder nicht – sonst verdunstet man.
Wer noch irgendwo Energiereserven von der Nacht übrig hatte (also… zwei Leute), begab sich freiwillig auf eine Wiese in Lenhovda, um Volleyball und Spikeball zu spielen. Warum? Das weiß vermutlich nur der innere Ehrgeiz. Nach sportlichem Auspowern war aber auch bei diesen Held*innen klar: Ohne See geht heute gar nichts. Also zack: Umleitung direkt zur Dorfbadestelle, wo sofort weitergechillt wurde. Wenn das kein effizienter Vormittag war.
Kurz gesagt: Wer gestern bei der Disco über die Tanzfläche schwebte, lag heute wie ein nasser Handtuchknoten auf dem Steg. Aber alle glücklich, leicht sonnenverbrannt – und garantiert bereit für mehr Schwedenabenteuer.
Ein festes Ritual, so sicher wie das tägliche Mückensummen am See: Nach dem Frühstück wird gebacken. Und zwar nicht irgendwie, sondern im holzbeheizten Lagerofen, der wahlweise Brot ausspuckt – oder schwarze Kohleklumpen. Je nachdem, wer ihn bedient.
Glücklicherweise ist es nicht irgendjemand, sondern Claudia, unsere hauseigene Brotalchemistin. Sie spricht fließend Feuerholz, versteht den perfekten Glutmoment und weiß genau, wie man neun (!) große Laibe Brot in einem Holzofen entlocken kann, ohne dass einer im Entferntesten anbrennt.
Neun Brote. Täglich. Das ist kein Hobby mehr. Das ist eine wahre Mission. Körnerbrot, Weißbrot, Mischbrot, Landbrot – die Auswahl ist so vielfältig, dass man am Abend bei der Brotverteilung plötzlich das Gefühl hat, in einem besonders gut sortierten Biobäcker-Paralleluniversum zu stehen. Nur ohne Kassensystem. Und dann isst man. Und isst. Und isst. Nicht weil man Hunger hat. Sondern weil dieses Brot warm ist, duftet, und einen psychologisch ganz subtil zwingen kann, sich „nur noch ein Scheibchen“ zu nehmen.
Fazit: Claudia backt. Der Ofen schwitzt. Und wir sind jedes Mal wieder ein kleines bisschen hilflos gegenüber der Versuchung namens „noch ein Stück von dem mit den Sonnenblumenkernen, bitte“.
„L’art culinaire rustique et croustillant“
🐟 Filet de Poisson en Croûte du Lac Lenhovda – auch bekannt als: Das majestätisch panierte Riesenschollenstäbchen Von zarten Lagerhänden in goldenes Knusper gekleidet, frittiert auf dem Höhepunkt des Lagerfeuers (Gasflamme Stufe 3).
🥔 Pommes de Terre à la Surprise du Küchendienst Handverlesene Kartoffeln, in gleichmäßig unregelmäßige Formen geschnitten, fein gegart. Serviert auf einem Fundament aus „satt“.
🌿 Écrasé d’Épinard à la Tradition Scandinave Fein zersungener Spinat mit Anklängen von Chlorophyll, wie Popeye ihn vermutlich nur in Schweden genießt – leicht gedrückt, nie ganz überzeugt.
🍶 Moutarde à la Créme Mystérieuse Senf trifft Sahne trifft… irgendwas. Unsere Soße mit Charakter: mild, cremig, mutig. (Manche sagen: das Dressing der Götter, andere sagen: „Geht das auch ohne?“)
🍽️ Option végétarienne: Klaro, für unsere vegetarische Freunde gab es anstelle von Fisch eine einzigartige Zusammenstellung auf Basis von Blumenkohl und Schwarzwurzel.
Am Nachmittag wurde es sportlich – aber auf intellektuell herausfordernde Art. Gespielt wurde: Stratego. Ein Spiel, das aussieht wie Verstecken mit Regeln, aber eigentlich ein Denkduell mit Laufweg ist.
Zwei Teams, zwei Fahnen, eine Mission: Erobern ohne erwischt zu werden. Klingt einfach – ist es aber nicht, denn nicht jeder darf jeden schlagen. Das sorgte für allerlei stille Konfrontationen, überraschende Wendungen und gelegentliches, schmerzhaftes Erinnern an die Bedeutung von Zahlenfolgen.
Taktik, Teamarbeit und ein Hauch Glück waren gefragt. Und natürlich die Fähigkeit, sich beim dritten Aufeinandertreffen an das Gesicht des feindlichen Spions zu erinnern. Nicht jedem gelang das.
Nach dieser geistig wie körperlich fordernden Simulation eines mittelgroßen Feldzugs, führte der Rückweg – wie so oft – direkt in den See. Denn wenn die Gehirnzellen rauchen, hilft bekanntlich nur eines: Wasser. Viel Wasser.
Wer dachte, der Tag sei mit Taktikspiel und Seeplanscherei abgehakt, wurde eines Besseren belehrt. Denn kaum hatte sich das Thermometer beruhigt, verkündete die Lagerleitung einen überraschenden Planwechsel: Alle raus – und zwar richtig.
Dank strahlendem Wetter (und vermutlich einer leichten romantischen Verklärung des Outdoor-Lebens) wurde das Camp für eine Nacht verlassen. Nicht etwa, um kurz einen Spaziergang zu machen – nein: Wir reden hier von echtem Schlaf-im-Freien-mit-Tannennadel-im-Rücken-Abenteuer.
Die Teilnehmenden durften sich zwischen vier Schlaflosigkeitsformaten entscheiden:
Die Entscheidung fiel erstaunlich schnell. Vermutlich, weil niemand die Optionen noch einmal erklärt haben wollte. Rucksäcke wurden gepackt, Schlafsäcke zusammengerollt (oder gestopft), und dann ging es los: Dem Abenteuer entgegen. Mit Stirnlampen, Mückenspray und einer ordentlichen Portion „Na das kann ja heiter werden“.
Disco war gestern. Heute war… Zombiecamp. Morgens, halb zehn in Schweden – Totenstille. Keine Jugendlichen vor’m Waschhaus, keine quiekenden Stimmen, keine Socken, die aus Zelten fliegen.
Nur ich trottete wachsam über den Platz – irgendwer muss hier ja Verantwortung übernehmen und hab geguckt, ob überhaupt noch Lebenszeichen zu finden sind. Sah erst nicht gut aus. Bis – Trommelwirbel – Frühstück! Und siehe da: Kaum wurden Brötchen gerufen, stiegen sie aus ihren Zelten wie Auferstandene. Ich sag nur: Wenn die Apokalypse kommt, einfach Frühstück servieren – das bringt mehr Leute zurück als jede Reanimationspuppe.
Als dann endlich alle ihre Lebensgeister (und Socken) gefunden hatten, ging’s zum See oder auf die Wiese zum Ballspielen – je nachdem, wie viel Restenergie nach der Nacht noch übrig war. Ich hab derweil versucht, Schatten zu finden. Erfolglos.
Nachmittags dann: Stratego.
Ein Spiel, bei dem Menschen sich mit bunten Zetteln auf dem Bauch im Wald anschleichen und behaupten, das sei Strategie. Ich seh da vor allem Orientierungslosigkeit mit Ansage – aber gut, ich bin ja auch nur ein Hund. Hab ich erwähnt, dass der eine mit der „Bombe“ sich auf ein Maulwurfloch gesetzt hat?
Und abends dann… der Exodus. Plötzlich heißt es: „Wir schlafen draußen!“ – als ob das ’ne Überraschung wäre. Leute, das mach ich seit Jahren. Nennt es ruhig Abenteuer, ich nenn’s Freitag.
Vier Optionen standen zur Auswahl:
Und dann – der Tiefpunkt: „Fetti, du kommst mit zur Wandergruppe!“ Wie bitte? ICH? Wandern? Ich bin 8, hab kurze Beine und ein stark ausgeprägtes Ruhebedürfnis. Aber gut. Während andere in Tipis oder auf Kanus Abenteuerromantik spielten, trottete ich im Dienst der Gruppendynamik mit zur Grillhütte. Immerhin gab’s dort Stockbrot. Und eine Ameisenstraße mit Charakter.
Fazit: Disco-Nachwehen, zu viel Sahne und zu wenig Rückzugsorte für ältere Herren wie mich. Aber hey – Lagerleben eben.
Bis morgen, euer Fetti. 🐾 Lagerhund, Frühstücksreste-Manager & Meister der Bodenhaftung