Der dritte Tag begann erstaunlich leise. Fast zu leise. Noch vor dem Frühstück – zu einer Uhrzeit, bei der manche sonst nur aufs Handy schielen und hoffen, dass die Welt noch schläft – traf sich eine kleine, mutige Gruppe am Steg. Ziel: Yoga. Oder wie ich es nenne: kontrolliertes Umfallen mit Atemtechnik.
Alex und Henni führten durch das Programm mit der Gelassenheit zweier Menschen, die offenbar wirklich gern früh aufstehen. Ihre Anweisungen klangen friedlich, spirituell – und stellenweise leicht bedrohlich:
„Atmet tief ein… und spürt den Boden unter euch.“ (Spoiler: War kalt.) „Faltet euch nach vorn wie ein Blatt im Wind.“ (Einige fielen dabei fast ins Wasser.) „Spürt eure Wirbelsäule – aber bitte nicht zu doll.“ (Medizinisch sinnvoll.) „Wenn euer linkes Bein zittert, ist das okay. Wenn euer rechtes Bein mitlacht, ist das ein Bonus.“ Begleitet wurde das Ganze vom sanften Plätschern des Sees, einem in der Ferne schnarchenden Zelt – und gelegentlichem Gähnen aus der letzten Reihe, das sich hartnäckig als „befreiender Atemstoß“ tarnte.
Fazit: Der See war ruhig, die Stimmung auch. Und wer nicht mitgemacht hat, hat trotzdem irgendwie profitiert – allein vom Anblick dieser morgendlichen Verrenkungspoesie. Namaste. Oder wie man bei uns sagt: Moin Moin
Am Morgen wurde es festlich – also so festlich, wie es bei Müsli und Marmeladenbrot eben werden kann. Lennard hatte Geburtstag! 17 Jahre jung – also quasi erwachsen, aber noch ohne Steuererklärung.
Natürlich wurde gesungen. Laut. Schräg. Mit mindestens drei verschiedenen Melodien gleichzeitig und einem Einsatz, der irgendwo zwischen „Schulaufführung“ und „Hilfe, wir werden beobachtet“ lag. Lennard nahm’s mit Würde. Oder Gleichmut. Man weiß es nicht genau – er hat einfach gelächelt und es über sich ergehen lassen wie ein wahrer Lagerheld.
Zur Belohnung gab’s dann Gummibärchen für alle – klassisch, bunt, leicht klebrig, wie es sich gehört. Eine süße Bestechung, um das Geburtstagsständchen schnell zu vergessen. Und sie wirkte.
Danke Lennard – für deinen Geburtstag, deinen Mut und deinen Gummibärchen-Spirit. Feiern wir nächstes Jahr wieder. Vielleicht dann mit Torte. Oder Ohropax. 🎉🐻
Kaum war das letzte Marmeladenbrot verputzt, wurde es draußen schlagartig… skandinavisch. Ein finsteres regnväder zog auf – das klingt poetisch, bedeutet aber: Alles wird nass, besonders die Socken, selbst wenn man im Haus ist.
Aus dem Himmel kam eine feine Mischung aus duggregn (Sprühregen), ösregn (Weltuntergang) und diesem klassischen Lagerregen, der aussieht wie Filmkulisse und sich anfühlt wie: “Ach, das hört gleich wieder auf.” Tat es aber nicht.
Stattdessen: Dauerplätschern bis nach dem Mittagessen – der Himmel offenbar im lagom-Modus. Nicht zu viel, nicht zu wenig, einfach… permanent.
Doch der Lagergeist ließ sich nicht aufweichen: Die Hütte verwandelte sich in ein Kreativzentrum mit leicht feuchter Außendeko. Gesellschaftsspiele wurden ausgepackt – inklusive der legendären „Wer-ist-dran-und-warum-diskutieren-wir-schon-wieder“-Runde. Die Perlen-AG lief zur Höchstform auf („Das ist mein viertes Armband heute, nenn mich ruhig Boutique.“), und wer noch Kerzenrohlinge im Blick hatte, durfte sich kreativ austoben – von wildem Farbdrehen bis zu: „Ups, ich hab’s mit Glitzer übertrieben.“
Kurz gesagt: Der Himmel war grau, aber das Lagerleben blieb bunt. Und wie sagt man so schön in Schweden: “Det finns inget dåligt väder, bara dåliga kläder.” (Es gibt kein schlechtes Wetter – nur falsche Jacken. Oder gar keine.)
🍽 Le Menu du Regenwetter – präsentiert vom Küchenteam Zahli und Lisa ☔️🇸🇪
Suppe du jour: Velouté de la Lins’ Royal
Eine fein komponierte Regenwetterkomposition aus edelsten Hülsenfrüchten, sanft gegart in schwedischem Wohlfühlwasser, verfeinert mit Gewürzen des Vertrauens und einem Hauch von Lagerliebe.
Serviert in nachhaltigen Schüsseln mit handverlesenem Löffel.
Ideal bei duggregn, ösregn oder emotionalem Tiefdruckgebiet.
Diese Suppe ist nicht nur nahrhaft – sie ist philosophisch: Warm. Tröstend. Und voller Substanz. Wie eine Umarmung. Nur löffelbar.
Beilage: Ein Scheibchen Brot mit Kruste von gestern – knusprig durch Zeit, nicht durch Toaster.
Nachmittags im Lager: Der Moment, in dem alle mal kurz Lebensretter waren (zumindest theoretisch)
Der Nachmittag war keinem Spaßprogramm gewidmet, sondern dem ernsten Teil des Lagerlebens: Erste Hilfe.
Oder, wie manche dachten: „Cool, wir dürfen Leute verbinden!“
Angeleitet wurde das Ganze von Lisa – Ausbilderin bei „Notfalltraining Vest e.V.“, Fachfrau für Druckverbände, stabile Seitenlagen und den Satz „Nein, das ist so nicht ganz korrekt, bitte nochmal“. Mit stoischer Ruhe, stapelweise Verbandsmaterial und einer Puppe, die schon einiges mitgemacht hat, führte Lisa die Truppe durch den medizinischen Dschungel des Lageralltags.
Es wurde gewickelt, gedrückt, gepustet (an der Puppe, keine Sorge), und plötzlich kannten alle Begriffe wie „Brustkorbkompression“ und „lebensrettende Sofortmaßnahme“. Sogar der Satz „Stellt Euch bitte vor, Ihr befindet Euch in einer Notfallsituation“ wurde akzeptiert, obwohl wir uns ja eigentlich mitten im Wald befinden und die größte Notfallwahrscheinlichkeit ein verlorener Schlappen oder zu wenig Nutella ist.
Besonders beliebt:
Die stabile Seitenlage (wurde von einigen mit der „Wir-liegen-eh-rum“-Position verwechselt) Und das Thema „Wie viele Leute braucht man, um einen Verband zu fixieren?“ (Antwort: Alle. Und einer macht ein Selfie.) Fazit: Niemand wurde verletzt. Alle wissen jetzt, wie man jemanden in die Seitenlage bringt. Und Lisa – geduldig, fachlich top und mit unerschütterlicher Ausstrahlung – hat das Camp kurzzeitig in eine Outdoor-Klinik verwandelt.
Vielen Dank an Notfalltraining Vest e.V. – und an Lisa, die uns beigebracht hat, dass Erste Hilfe nicht wehtut (außer man steht auf der falschen Seite vom Druckverband).
Abends im Lager: Die Jagd nach der Lagerkrone – Spannung, Wahnsinn, Wissensfragen
Der Abend wurde… episch. Denn es ging los mit der sagenumwobenen Quizshow: „Die Jagd nach der Lagerkrone“ – ein Event irgendwo zwischen Wer wird Millionär, Wetten, dass..? und Indiana Jones und das Zelt der Rätsel.
Sechs Teams, ein Ziel: Die Lagerkrone aus purem (Sprüh-)Gold und Pappe, die irgendwo zwischen Glanz und Bastelrest glänzte wie ein Artefakt aus dem letzten Indy-Film. Der Weg dahin?
Gesäumt von kniffligen Fragen, hitzigen Diskussionen – und einigen sehr eigenwilligen Spielregeln. Beispielsweise:
Am Ende konnte sich ein Team durchsetzen – klug, schnell, mit blitzsauberer Strategie (und wahrscheinlich einem geheimen Wissensvertrag mit dem Elchgeist). Doch wie in jedem guten Indiana-Jones-Abenteuer ging es nicht nur um den Schatz – sondern um das Abenteuer selbst. Also: Alle haben gewonnen. (Außer vielleicht das Team, das bei der Flaggenrunde „Schweiz“ mit „Südschweden“ verwechselt hat.)
Fazit: Krone vergeben, Lagerstimmung auf Anschlag, Hirnzellen kurz überhitzt – und der Schatz des Abends war eindeutig: purer Spaß.
Also Leute… ich sag mal so: Der dritte Tag fing an wie aus einem Wellnessprospekt. Noch vor dem Frühstück rollten sich ein paar Zweibeiner freiwillig auf Matte und Steg und machten Yoga. Yoga! Das ist das, wo Menschen sich ganz langsam verbiegen, dabei atmen wie ich im Tiefschlaf schnarche – und das Ganze nennen sie dann „zur Mitte finden“. Henni und Alex haben das angeleitet – mit Anweisungen wie „spüre deine Fußsohlen“ oder „öffne dein Herz zur Sonne“. Ich hab mein Herz übrigens zur Futterschüssel geöffnet. Hat auch funktioniert.
Danach wurde es ernst – und nass. Sehr nass. Ich würde sagen: klassisches schwedisches Premiumregn™. Erst leichtes duggregn, dann ösregn mit Tendenz zur Arche-Noah-Stimmung. Die Menschen haben das erstaunlich gelassen genommen – ich hingegen wurde in der Hütte leicht feucht unter den Ohren. Immerhin gab’s Linsensuppe zum Aufwärmen, serviert mit der Eleganz einer Drei-Sterne-Gulaschkanone. Und ja, ich hab ein bisschen was abgekriegt – danke an Tisch 4!
Nachmittags wurde dann nicht rumgelungert, nein: Erste-Hilfe-Kurs mit Lisa! Sie ist Ausbilderin bei „Notfalltraining Vest e.V.“ und bringt alles bei, was man können muss, wenn ein Mensch mal umfällt – oder sich beim Perlenbasteln dramatisch in den Finger piekst. Ich habe aus sicherer Entfernung beobachtet, wie Menschen ihre Freunde in die stabile Seitenlage gekullert haben. Manche sahen dabei aus, als würden sie Burritos rollen.
Einige haben an Puppen Wiederbelebung geübt – mit beachtlichem Ernst. Ich hab kurz überlegt, ob ich mich hinlege und hechel, um auch betreut zu werden, aber Lisa schien zu beschäftigt. Schade eigentlich.
Abends wurde es dann wild: Die Jagd nach der Lagerkrone. Wissen, Spannung, absurde Regeln und lautes Gekicher. Ich hab mich hinterm Vorhang versteckt, um nicht versehentlich zum Joker erklärt zu werden – bin ja nicht doof. Am Ende wurde ein Team gekrönt, alle waren klüger oder zumindest lauter – und ich? Ich hab die Reste der Gummibärchen unterm Tisch inspiziert. Auch eine Form von Schatzsuche.
Mein Fazit für Tag 3:
Wuff und Namaste,
Euer Fetti 🐾